Migräne –  Mein Leben mit dem Miststück

Migräne – Mein Leben mit dem Miststück

Menschen ohne Migräne kennen es nicht das Gefühl wenn einem fast der Kopf platzt weil ihn jemand in einen imaginären Drehstock spannt oder mit dem dazugehörigen Schraubendreher auf einen einschlägt. Kommentare wie „Dann geh doch mal an die frische Luft.“ oder „Ich kenn das, ich habe auch ständig Kopfschmerzen.“ sind da ehrlich gesagt nur noch ein Schlag in die gleiche Kerbe.  (mehr …)

Von Erinnerungen und einem Trampeltrecker

Von Erinnerungen und einem Trampeltrecker

Erinnerungen

Erinnerungen sind meistens eine tolle Sache. So manche schöne Erinnerung schafft es einem den Tag zu versüßen. Aber habt ihr euch schon mal gefragt,  an was ihr euch aus der Kindheit wirklich noch erinnern könnt? Was ist die erste Erinnerung die ihr habt? Wer jetzt direkt sagt, „Na klar, da war doch die Sache mit dem Dreirad und der Oma.“ Der kann sich entweder wirklich daran erinnern oder er glaubt sich daran zu erinnern. 

Ich bin Jahrgang 1986 und aus meiner Kindheit gibt es Unmengen Fotos in vielen Größen und Farbrichtungen. Als ich ungefähr 5 Jahre alt war hat mein Vater dann eine Videokamera bekommen und wie das dann nun mal so war, gibt es ab diesem Tag nicht nur Unmengen Fotos sondern auch eine große Kiste voll mit Kassetten die meine Kindheit in Farbe und Stereo festhalten.

Diese Erinnerungen zu haben ist für mich unglaublich viel wert und damit ich noch lange Freude daran habe oder sie irgendwann mal meinen Kindern zeigen kann, habe ich angefangen sie zu digitalisieren. Dabei habe ich natürlich das ein oder andere Video gesehen. Genau das ist aber auch der Knackpunkt an der Sache mit Erinnerungen. Die Grenze zwischen dem wirklich erinnern können und dem ich habe das vor 2 Jahren mal auf Video gesehen ist irgendwie fließend. 

Trampeltrecker

Der kleine rote Trampeltrecker meines Bruder ist ein super Beispiel. Ich weiß ohne jeden Zweifel das es diesen Trecker gab, ich weiß aber nicht woher ich das weiß. Ich kann einfach nicht sagen ob ich mich wirklich daran erinnern kann oder ob ich glaube mich zu erinnern, weil ich diesen Trecker als Erwachsene noch einmal über die Fernsehmattscheibe habe fahren sehen. Lebende Erinnerungen. 

Da ihr nun wisst worauf ich hinaus will, nun die Frage die mich zu diesem Beitrag verleitet hat. Haben die Erinnerungen unserer Großeltern oder Urgroßeltern einen höheren Wahrheitsgehalt weil sie nicht durch Videoaufnahmen oder noch ganz anderen Medien verwässert sind? Bevor der Einwand kommt, das es doch Fotos schon wesentlich länger gibt (je nach dem wie alt du selbst bist), wurde früher das Medium Foto längst nicht so exzessiv genutzt wie heute. Besondere und ausgewählte Momente wurden festgehalten, heute hingegen wo Speicherplatz sprichwörtlich „einen Appel und ein Ei“ kostet wird alles aufgenommen, fotografiert, gefilmt als gäbe es kein Morgen mehr. 

Kommen wir nun also nochmal zu dem roten Trampeltrecker zurück. Würde meine Oma mit ihren fast 84 Jahren also sagen, sie hätte als kleines Mädchen einen roten Trampeltrecker gehabt, würde ich ihr das wohl glauben. Woher sollte sie es denn sonst wissen wenn es keine Erinnerung ist, oder …? 

 

Trauer folgt keinem Schema

Trauer folgt keinem Schema

Trauer folgt keinem festen Schema

Jedes Jahr sterben geliebte Menschen. Manche gehen nach einem langen Leben ganz still von uns und andere sind einfach plötzlich nicht mehr da. Aber was heißt Trauer eigentlich? 

Im letzten Herbst ist mein Großvater verstorben. Er war schon einige Monate krank und lebte auch schon seit vielen Wochen in einem Heim, damit wir ihm die Pflege zukommen lassen konnten die er braucht. Im Grunde will ich damit sagen, das wir wussten, das es nicht mehr ewig so weiter gehen würde. Aber wann es zu Ende ist wussten wir natürlich nicht. Es war ein auf und ab das uns allen und nicht zuletzt meinem Großvater viel Kraft gekostet hat. 

Eines Abends kam dann der Anruf von meinen Eltern das es nun bald soweit sein könnte. In dem Moment völlig unwirklich und irrational. Es sollte noch fast einen ganzen Tag dauern bis er von uns gehen konnte. Ich war bis zum letzten Moment bei ihm und bin sehr froh darüber, das ich diese Möglichkeit hatte. Im Nachhinein war es mir unglaublich wichtig ein paar Minuten alleine zu sein und mich verabschieden zu können.  

Warum reagieren wir so unterschiedlich auf Tod und Trauer und wieso gibt es in unserem Leben sowenig Platz dafür?

Für eine gewisse Zeit toleriert die Umgebung die Trauer um einen geliebten Menschen gerne, Unterstützung ist nicht weit und Verständnis allgegenwärtig. Aber was kommt dann? Was passiert, wenn man erst Wochen oder sogar Monate danach um einen Menschen trauern kann? Fragen wie “Warum erst jetzt?” sind da nicht selten und die allgemeine Akzeptanz hat schon lange nachgelassen. Menschen sind aber nun mal verschieden. Dem einen reißt es auf der stelle den Boden unter den Füßen weg und andere leben einfach weiter. Versteht mich nicht falsch, jeder sollte so trauern können wie er möchte und vor allem wann er möchte. Jeder sollte die Möglichkeit haben sich die Zeit dafür nehmen zu können auch wenn schon viel Zeit verstrichen ist. Und überhaupt, was ist denn viel Zeit und wer legt die Maßstäbe dafür fest?

Auf seine eigene Art und Weise Abschied nehmen zu können ist wirklich unglaublich wichtig. Es braucht Zeit das Leben neu auszurichten. Das geht bei den einen schneller als bei dem anderen. 

Langläufig durchläuft die Trauer meist die folgenden vier Phasen:

Erste Phase 

Das Nicht-Wahrhaben-Wollen und verleugnen. Man ist starr vor entsetzen und fühlt sich wie in einem ‘bösen Traum’. Diese Phase dauert meist wenige Tage oder Wochen. Umso plötzlicher der Mensch verstirbt, desto länger dauert für gewöhnlich diese Phase. 

Zweite Phase

In dieser Phase spielen viele Emotionen auf einmal eine Rolle. Wut, Trauer, Freunde, Zorn und auch Angst. Die Frage nach dem Warum? ist wirklich wichtig. Der Verlauf dieser Phase hängt von vielen Faktoren ab. Gab es Streit und stehen noch offene Fragen im Raum. Die Möglichkeit seine Gefühle ausleben zu können hilft dem Trauernden sehr. Nachdem man diese Emotionen zulassen kann, kann die nächste Phase erreicht werden.

Dritte Phase 

Phase Drei ist die Phase des ‘Suchens’. Unbewusst oder bewusst suchen wir Orte auf an die man gemeinsame Erinnerungen hat oder findet andere Wege den geliebten Menschen in Erinnerung zu halten. Fotos, Bilder und lieb gewonnene Erinnerungsstücke können dabei helfen. Wenn man den Verstorbenen soweit loslassen kann das sich die Erinnerung weiter entwickelt, ist es an der Zeit für die nächste Phase. 

Vierte Phase

Wir beginnen den Verlust zu akzeptieren und neue Möglichkeiten tuen sich auf. Nicht selten entstehen diese aus dem Verlust dieses geliebten Menschen heraus. Neue Beziehungen, neues Verhalten oder Lebensträume scheinen nun möglich und wir gehen diese trotz des Wissens auf einen erneuten Verlust ein. 

Trauer folgt keinem festen Schema! Was ich damit sagen will, es dauert eben solange es dauert und das gehört nun mal leider zum Leben dazu. Oder ist das vielleicht nicht auch gut so? 

Rena Unterschrift

Abtei Königsmünster – Der Trauer einen neuen Platz geben

Abtei Königsmünster – Der Trauer einen neuen Platz geben

Wusstest du, das ein Mensch im Schnitt rund 30.000 Leichen gesehen hat bevor er den ersten Verstorbenen seines Lebens sieht? Wie das geht? Die Medien überfluten uns regelrecht mit Leichen. In Serien, in Filmen und sogar in Büchern sind sie heute an der Tagesordnung und gehören für manch einen zu einem guten Krimi dazu. Doch bereitet uns das wirklich auf den Verlust eines realen Menschen vor?


Abtei Königsmünster

Quelle: Privat

Im Rahmen einer Exkursion zum Thema Trauerarbeit im Berufsbildungsbereich durfte ich mit drei weiteren Kollegen und zwei Gruppenleitern die Abtei Königsmünster in Meschede besuchen. Im Vorfeld haben wir über diesen Tag gesprochen und unsere Erwartungen gesammelt. Lea zum Beispiel war überzeugt davon, das die Gemeinschaft eher abgeschlossen und für sich lebt. „Eine ganz andere Welt“ nannte sie es, wie in einer Schneekugel.

Manuela war sehr daran interessiert, den Umgang mit Tod und Trauer im Kloster kennen zu lernen. Was passiert wenn einer der Brüder verstirbt und was haben Besucher für Möglichkeiten wenn sie sich im Trauerfall Hilfesuchend an die Gemeinschaft wenden?

Der Habit war ein Thema das Tim sehr interessierte. Was tragen die Mönche im Kloster und verlasen sie eben diese auch mal in „Zivil“?

Mein Kollege Dondo fand es besonders spannend, welche Räume wir besuchen dürfen und ob es Räume, wie zum Beispiel Gruppenräume oder eine Mensa gibt, die ausschließlich für die Gemeinschaft vorbehalten sind.

Haary kannte das Kloster schon. Er hat seit mehr als 30 Jahren einen persönlichen Bezug zur Abtei Königsmünster. Es war kaum zu übersehen wie wohl er sich an diesem Ort fühlt und das es für ihn war “wie nach Hause kommen”.

Ich selbst habe eine ruhige und besinnliche Umgebung erwartet und gehofft, das wir den Klosteralltag zwar erleben dürfen, aber niemand versucht uns etwas aufzudrängen.

Und obwohl nun alle unsere Erwartungen und Vorstellungen erfüllt wurden, war der Besuch im Kloster so ganz anders als ich ihn mir vorgestellt habe. Besucht haben wir dort nämlich keinen dunklen und verstockten Ort wie man ihn gerne in Filmen porträtiert. Ganz im Gegenteil! Ich habe die Abtei Königsmünster als sehr offene und moderne Gemeinschaft wahrgenommen, die viel Wert darauf legt auf vielfältige Weise mit ihrer Umgebung in Kontakt zu treten.

Tod und Trauer

Quelle: Privat

Besonders beeindruckt hat mich der Umgang mit dem Thema Tod und Trauer. Pater Guido hat ausführlich erzählt, wie die Mönche mit dem Tod eines Mitbruders umgehen. Ganz anders als dieses Thema erwarten lässt, ist ihr Umgang mit diesem Thema weder düster, noch kehrt man es unter den Teppich. Man nimmt sich viel Zeit um sich von dem lieb gewonnenen Menschen zu verabschieden. Wir hatten den Eindruck, das man dort viel selbstverständlicher und natürlicher mit Trauer umgeht als wir es im Alltag gewohnt sind. Wichtig finde ich auch, das sie ihrer verstorbenen Mitmenschen regelmäßig gedenken und auf vielfältige Art und Weise Raum für Erinnerungen schaffen.

Für mich war der Besuch im Kloster eine ganz besondere Erfahrung. Ich habe die Ruhe sehr genossen und neue Sichtweise auf manche Themen mitnehmen dürfen. Der Tag hat mir richtig gut getan, ich konnte gedanklich einiges ordnen und ich fühle mich nun im wahrsten Sinne aufgeräumt.

Abtei Königsmünster

Wer die Möglichkeit hat die Abtei Königsmünster einmal zu besuchen sollte die Chance wahrnehmen. Die Abtei selbst, ganz ungewöhnlich und schlicht, lädt die Besucher dazu ein, sich einmal wieder aufs wesentliche zu besinnen. Das Besucherhaus das „Haus der Still“ macht seinem Namen wirklich alle Ehre. Durch die außergewöhnliche Architektur strahlt es auch nach außen hin Ruhe und Besinnung aus. Nicht zu vergessen die „Gaststätte“ in der regionale oder sogar selbst erzeugte Produkte verarbeitet werden.

Vielen herzlichen Dank, das ich Teil dieser Exkursion sein durfte. Es war ein schöner Tag an dem ich meine Kollegen auch noch einmal von einer anderen privaten Seite kennen lernen durfte.