“Alexa, Du hörst nicht zu!” – Mein Alltag mit der digitalen Assistentin

“Alexa, Du hörst nicht zu!” – Mein Alltag mit der digitalen Assistentin

“Hey Flo, es gibt da eine neue App, die solltest Du Dir ansehen!”

So fangen bei mir oft Prozesse an, die viele Tage, manchmal Wochen in Anspruch nehmen und an deren Beginn ich oft nicht weiß, wo die Reise am Ende hingeht und ob wir überhaupt irgendwo ankommen. Was das für Prozesse sind? Ich arbeite in einer Branche, in der fast alles digital und vieles automatisiert läuft. Da ist der Schritt ja nicht weit, auch für den Alltag Automatismen entwickeln zu wollen, die das tägliche Leben vereinfachen sollen. Das fängt damit an, dass der Wecker im Handy selbst weiß ob heute ein Arbeitstag ist oder ob ich liegen bleiben kann und hört da auf, wo das Smart Home selbständig das Licht ausmacht, wenn ich im Bett liege. Zumindest vorerst. Die Zeit dazwischen wird aber auch immer digitaler und automatisierter und ich finde das gut so. Das wird jetzt keine Grundsatzdebatte über das Für und Wider moderner Technik hier, die führen wir ja schon, seit 1835 die erste Dampflok von Nürnberg nach Fürth gefahren ist.

Der Sekretär die cloud

Mein Opa hatte früher in der “guten Wohnstube” einen Sekretär. Dieses unheimlich stylische Möbelstück war sein Büro. Dort wurden sämtliche Briefe, die er bekam, geöffnet, gelesen und entweder abgeheftet oder weggeworfen. Was aufgehoben wurde, wurde fein säuberlich abgeheftet und dort schrieb er auch seine Briefe, teils handschriftlich, teils mit einer alten Schreibmaschine, die ich heute noch habe. Die Post war das Internet seiner Zeit und der Sekretär seine cloud und sein home office. Und heute, tja ich sitze gerade mit dem Tablet auf dem Sofa und schreibe diese Zeilen mit einer Bluetoothtastatur, während ich dabei ganz easy auf das komplette Wissen der Menschheit zugreifen kann, wenn ich das möchte. Und auf meinen Cuba Libre, der steht ganz analog und kühl neben mir. Wenn ich spontan einen Gedanken festhalten möchte, muss ich den nicht mal mehr aufschreiben, es gibt immer mindestens ein Gerät in Reichweite, das einfach auf Zuruf reagiert und meine Stimme erkennt. Alexa und Siri sind die Vorzimmertipsen des 21. Jahrhundert geworden. Brauchen wir das denn? Brauchen wir jetzt workflows und Prozessoptimierung im privaten Leben, haben wir das nicht an der Arbeit genug? ich sage, ja brauchen wir. Zeit ist Geld, an der Arbeit zumindest, und Zeit ist Freizeit und damit Freiheit im Privatleben. Und die möchte ich nicht damit verbringen, meine Rechnungen abzuheften oder den Versicherungsordner zu sortieren. Wenn Alexa schon für mich das Licht anmachen und das Radio starten kann, dann soll sie sich mit ihren digitalen Kollegen bitte auch mal nützlich machen und was sinnvolles tun. Z.b. meine Post für mich abheften oder mir die Dinge bereitstellen, die ich gerade benötige, weil ich z.B. einen Brief (oder E-Mail, ja) schreiben will und daneben bitte noch meine Termine verwalten und mich an Dinge erinnern. Kennt Ihr das, wenn man irgendwo ist und nicht mehr wusste, was man da wollte? Auch da schaffen die digitalen Helferlein Abhilfe. 

Zunächst mal das einfachste, der Kalender. Der kommt von Google, synchronisiert sich selbst über alle Geräte und erinnert mich auf Wunsch auch an Termine. Aus dem Adressbuch des Handys zieht er die Geburtstage, die ich sonst immer gern vergesse. Und Alexa kann sprachgesteuert sowohl Termine eintragen als auch morgens einen Überblick über den anstehenden Tag geben. Ich finde das gut. Das gleiche gilt für meine To-Do-Listen, wobei die wichtigste davon die Einkaufsliste ist. Wann immer ich die letzte Tüte Milch im Kühlschrank öffne, sag ich Alexa bescheid und sie erinnert mich daran, wenn ich im Edeka stehe.

Bleibt das sortieren und abheften von Unterlagen. Das macht Alexa tatsächlich nicht, keine Arme, keine Kekse. Aber auch hier gibt’s spannende technische Hilfsmittel, Stichwort papierloses Büro. Bei mir an der Arbeit ganz langsam im kommen, bei mir privat gerade ein aktuelles Thema. Ich besitze jetzt einen kleinen, WLAN-fähigen Dokumentenscanner, der meine tägliche Post futtert und als pdf verschlüsselt in einer cloud ablegt. Der ganze Vorgang dauert etwa so lange wie früher der Weg zum Aktenschrank.

Ich persönlich finde das gut. Ich mag es, wenn Dinge einfacher werden und schneller gehen und mir mehr Zeit für andere Dinge bleiben.

(Rezension) Das Flüstern der Nacht von Peter v. Brett

(Rezension) Das Flüstern der Nacht von Peter v. Brett

Inhalt:

Inhalt: Die Menschheit ist gefangen in der Furcht vor den Dämonen der Dunkelheit. Nur der junge Arlen beschließt, sich mit magischen Siegeln den finsteren Wesen entgegenzustellen, und wird schon bald zu einer Legende. Als plötzlich aus dem Süden ein zweiter Befreier der Menschen auftaucht, droht alles in Chaos zu versinken. Doch Arlen hält fest an seiner Hoffnung auf das Ende der Nacht … (Quelle: Heyne Verlag)

(mehr …)

(Rezension) Das Lied der Dunkelheit von Peter v. Brett

(Rezension) Das Lied der Dunkelheit von Peter v. Brett

Inhalt:

Inhalt  … und in der Dunkelheit lauert die Gefahr. Das muss der junge Arlen auf bittere Weise selbst erfahren. Schon seit Jahrhunderten haben Dämonen, die sich des Nachts aus den Schatten erheben, die Menschheit zurückgedrängt. Das einzige Mittel, mit dem die Menschen ihre Angriffe abwehren können, sind die magischen Runenzeichen. Als Arlens Mutter bei solch einem Dämonenangriff umkommt, flieht er aus seinem Heimatdorf. Er will nach Menschen suchen, die den Mut noch nicht aufgegeben und das Geheimnis um die alten Kriegsrunen noch nicht vergessen haben. (Quelle: Heyne Verlag)

 

Das Lied der Dunkelheit von Peter v. Brett   

16,99 € / 800 Seiten / Taschenbuch  

ISBN: 978-3-453-52476-7 / Heyne Verlag 

Band 1/5  der Demon Zyklus Reihe 

Meine Meinung: 

Fantasy? Das is ja gar nicht meins. Da erfinden die Autoren ein paar Monster und ein bisschen Zauberei, um damit die Lücken zu schließen, die sie inhaltlich mit ihrem fehlenden Talent offen lassen.
Und weil Harry Potter bloß Quatsch für Kinder ist und Herr der Ringe was für verträumte Nerds, ließ ich von diesem Genre bisher die Finger. Ja, Peter Grant hab ich gelesen. Da schafft es der Autor aber auch, durch Humor und guten Stil über das bisschen Zauberei ganz gut hinweg zu trösten. Auch Lockwood & Co. habe ich gelesen, hier sind wir aber für mich schon ganz hart an der Grenze zum Kinderquatsch, wobei es dafür eigentlich zu gewalttätig ist.

Das war meine bisherige Meinung zum Thema Fantasy. Und dann kommt Peter v. Brett mit dem “Demon Zyklus”. Warum ich das trotzdem gelesen habe? Ehrlich gesagt war es beim ersten Buch ein Versehen, ich wähne mich einem historischen Roman gegenüber, als plötzlich des Nachts böse Wesen aus dem Boden steigen, die Menschheit bedrohen und sich nur aufhalten lassen durch magische Symbole, die sich mit Energielinien verbinden und ein magisches Abwehrnetz bilden können. Ah ja. Is klar. Hätte mir das vorher einer gesagt, ich hätte es gelassen. Und ich hätte eine Menge verpasst! So aber bin ich völlig unbedarft und vorurteilsfrei in die Welt von Thesia gepurzelt und ich muss sagen, ich bin begeistert. Eines ist “Das Lied der Dunkelheit” nämlich nicht: Fantasyschrott für 14jährige Mädchen und andere Nerds, die in der realen Welt nicht klar kommen….
Wir starten unsere Reise in einem kleinen Dorf namens Tibbets Bach, wo wir den 11jährigen Arlen treffen. Schnell wird klar, wir sind insgesamt in einem mittelalterlichen Setting, die Leute leben tagsüber von der Landwirtschaft und nachts, tja nachts kommen die Horclinge. Wer? Eben jene Monster der Nacht, die allen anderen nach dem Leben trachten und die nur durch magische Siegel aufgehalten werden können. An der Stelle wollte ich dann eigentlich wieder gehen aber Arlen lies mich nicht. Wir besuchen zunächst ein Dorf, welches in der Nacht ein Opfer der Horclinge wurde, als die Siegel versagten. Schnell lernen wir, wie diese Welt gestrickt ist, und wer wie ich das einfache Leben liebt, der hätte sich hier wohlgefühlt. Ein Dorf im Mittelalter, hier wird Gemeinschaft groß geschrieben, man hilft sich… wirklich hübsch. Und keineswegs langweilig. Wir lernen einige interessante Menschen kennen, der Kosmos an Personen, die Peter v. Brett hier erschafft, ist durchaus als vielfältig und komplex zu bezeichnen.

Im Laufe des ersten Buches lernen wir noch Leesha kennen, ein junges Mädchen, dass es in der patriarchalischen Welt nicht einfach hat, sich aber eines starken Charakters erfreut und ihre Ziel etrotzdem durchsetzen kann. Und den jungen Rojer, welcher bei einem Angriff von Horclingen alles verloren hat und von einem Schausteller großgezogen wird.
Wir springen mehrfach zwischen den Geschichten dieser drei Charaktere hin und her und jeder von ihnen hat mich so in seinen Bann gezogen, dass ich jedes mal etwas traurig war, sie wieder verlassen zu müssen. Am Ende – wie sollte es anders sein – begegnen die drei einander endlich und mit dem Ende des ersten von insgesamt vier Büchern fängt die ganze Geschichte eigentlich erst an.
Trotz meiner Skepsis gegenüber Fantasyromanen hat mich “Das Lied der Dunkelheit” absolut überzeugt. Warum? Weil es eben nicht übertreibt mit der Zauberei, obwohl es manchmal grenzwertig wird. Die medizinische Versorgung der Bevölkerung übernimmt z.B. so eine Art Kräuterhexe, und was die so alles kann ist für mittelalterliche Medizin schon reichlich talentiert. Wenn man das mal nicht so eng sieht, wird man aber gut unterhalten. Die Darstellung der Charaktere, auch der Nebenfiguren, ist absolut gelungen und teilweise sehr scharf gezeichnet. Es fällt nicht schwer, die Personen bildlich vor sich zu sehen und man versteht ihre Denk- und Handlungsweise doch recht schnell.
Manchmal hatte ich sogar deren Gesichtsausdruck bildlich vor Augen.

Die Sprache ist einfach und verständlich gehalten, das Ganze liest sich sehr flüssig, wird dabei aber nicht langweilig. Der Autor bleibt in der dritten Person, die Handlung verlässt jedoch nie den jeweiligen Protagonisten. Wie schon erwähnt, beginnen wir mit drei unterschiedlichen Erzählsträngen, die am Ende wenig überraschend zusammenlaufen. Spätestens da kommen wir auch zu den sozialen Interaktionen der drei Hauptcharaktere, und da wir ihrer aller Geschichten in recht jungen Jahren begleiten, ist nicht schwer zu erraten wohin die Reise geht. Die Interaktionen der drei miteinander sind jederzeit logisch und aus der jeweiligen Perspektive gut nachvollziehbar, der Autor bringt uns dafür die Personen und ihre Denkweisen ausreichend nahe.

Bezüglich der Namen, sowohl von Personen als auch von Orten, hat der Autor kreativ versucht, eine ganz eigene Welt zu schaffen, was ihm im großen und ganzen auch gelingt.
Ist das jetzt was für meine eingangs erwähnten 14jährigen Mädchen und andere Nerds, die in der realen Welt nicht klar kommen? Nun, wenn sie die dichte Welt von Herr der Ringe gewöhnt sind, wird ihnen das hier unter dem Label “Fantasy” eher lasch vorkommen. Wer aber bei historischen Romanen mit Mittelaltersetting zu Hause ist und gegen ein bisschen Zauberei hier und da nix einzuwenden hat, der wird mit “Das Lied der Dunkelheit” eine unterhaltsame Zeit haben und wahrscheinlich auch genau wie ich den zweiten Teil gleich hinten dran packen.