Abtei Königsmünster – Der Trauer einen neuen Platz geben

Wusstest du, das ein Mensch im Schnitt rund 30.000 Leichen gesehen hat bevor er den ersten Verstorbenen seines Lebens sieht? Wie das geht? Die Medien überfluten uns regelrecht mit Leichen. In Serien, in Filmen und sogar in Büchern sind sie heute an der Tagesordnung und gehören für manch einen zu einem guten Krimi dazu. Doch bereitet uns das wirklich auf den Verlust eines realen Menschen vor?


Abtei Königsmünster
Quelle: Privat

Im Rahmen einer Exkursion zum Thema Trauerarbeit im Berufsbildungsbereich durfte ich mit drei weiteren Kollegen und zwei Gruppenleitern die Abtei Königsmünster in Meschede besuchen. Im Vorfeld haben wir über diesen Tag gesprochen und unsere Erwartungen gesammelt. Lea zum Beispiel war überzeugt davon, das die Gemeinschaft eher abgeschlossen und für sich lebt. „Eine ganz andere Welt“ nannte sie es, wie in einer Schneekugel.

Manuela war sehr daran interessiert, den Umgang mit Tod und Trauer im Kloster kennen zu lernen. Was passiert wenn einer der Brüder verstirbt und was haben Besucher für Möglichkeiten wenn sie sich im Trauerfall Hilfesuchend an die Gemeinschaft wenden?

Der Habit war ein Thema das Tim sehr interessierte. Was tragen die Mönche im Kloster und verlasen sie eben diese auch mal in „Zivil“?

Mein Kollege Dondo fand es besonders spannend, welche Räume wir besuchen dürfen und ob es Räume, wie zum Beispiel Gruppenräume oder eine Mensa gibt, die ausschließlich für die Gemeinschaft vorbehalten sind.

Haary kannte das Kloster schon. Er hat seit mehr als 30 Jahren einen persönlichen Bezug zur Abtei Königsmünster. Es war kaum zu übersehen wie wohl er sich an diesem Ort fühlt und das es für ihn war “wie nach Hause kommen”.

Ich selbst habe eine ruhige und besinnliche Umgebung erwartet und gehofft, das wir den Klosteralltag zwar erleben dürfen, aber niemand versucht uns etwas aufzudrängen.

Und obwohl nun alle unsere Erwartungen und Vorstellungen erfüllt wurden, war der Besuch im Kloster so ganz anders als ich ihn mir vorgestellt habe. Besucht haben wir dort nämlich keinen dunklen und verstockten Ort wie man ihn gerne in Filmen porträtiert. Ganz im Gegenteil! Ich habe die Abtei Königsmünster als sehr offene und moderne Gemeinschaft wahrgenommen, die viel Wert darauf legt auf vielfältige Weise mit ihrer Umgebung in Kontakt zu treten.

Tod und Trauer

Quelle: Privat

Besonders beeindruckt hat mich der Umgang mit dem Thema Tod und Trauer. Pater Guido hat ausführlich erzählt, wie die Mönche mit dem Tod eines Mitbruders umgehen. Ganz anders als dieses Thema erwarten lässt, ist ihr Umgang mit diesem Thema weder düster, noch kehrt man es unter den Teppich. Man nimmt sich viel Zeit um sich von dem lieb gewonnenen Menschen zu verabschieden. Wir hatten den Eindruck, das man dort viel selbstverständlicher und natürlicher mit Trauer umgeht als wir es im Alltag gewohnt sind. Wichtig finde ich auch, das sie ihrer verstorbenen Mitmenschen regelmäßig gedenken und auf vielfältige Art und Weise Raum für Erinnerungen schaffen.

Für mich war der Besuch im Kloster eine ganz besondere Erfahrung. Ich habe die Ruhe sehr genossen und neue Sichtweise auf manche Themen mitnehmen dürfen. Der Tag hat mir richtig gut getan, ich konnte gedanklich einiges ordnen und ich fühle mich nun im wahrsten Sinne aufgeräumt.

Abtei Königsmünster

Wer die Möglichkeit hat die Abtei Königsmünster einmal zu besuchen sollte die Chance wahrnehmen. Die Abtei selbst, ganz ungewöhnlich und schlicht, lädt die Besucher dazu ein, sich einmal wieder aufs wesentliche zu besinnen. Das Besucherhaus das „Haus der Still“ macht seinem Namen wirklich alle Ehre. Durch die außergewöhnliche Architektur strahlt es auch nach außen hin Ruhe und Besinnung aus. Nicht zu vergessen die „Gaststätte“ in der regionale oder sogar selbst erzeugte Produkte verarbeitet werden.

Vielen herzlichen Dank, das ich Teil dieser Exkursion sein durfte. Es war ein schöner Tag an dem ich meine Kollegen auch noch einmal von einer anderen privaten Seite kennen lernen durfte.

2 thoughts on “Abtei Königsmünster – Der Trauer einen neuen Platz geben

  1. Ich finde, dass schon die Architektur etwas besonderes ausstrahlt. Es klingt so, als wäre es ein Tag gewesen, der sich gelohnt hat. Tod und Trauer, ja, es gehört zum Leben und man muss innehalten und Abschied nehmen, sich Zeit lassen. Ich glaube, dass das im Kloster einfach noch mal selbstverständlicher ist, weil man so dem anderen zugewandt ist.
    Danke für diesen Bericht,
    Daniela
    (über #litnetzwerk und meine Blogroll, bei der ich dich ja verlinkt habe)

  2. Abtei Königsmünster ist sehr sehenswert und wirklich ein Ort der Stille

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