Slow Reading – oder warum weniger manchmal mehr ist

Eine Diskussion gibt es unter Buchbloggern immer mal wieder: Wer liest schneller und wer liest mehr. Mal ganz abgesehen davon, das ich es total blödsinnig finde sich ausgerechnet im Lesen zu vergleichen ist es auch völlig unnötig. Jeder hat nun mal sein eigenes Lesetempo und das ist doch auch gut so. Nun bin ich erst vor ein paar Tagen über einen Artikel über sogenannte Slow Reading Clubs gestolpert. 

Slow Reading

Was das heißt? Nimm dir Zeit für dein Buch. Plane bewusst Zeit ein um zu lesen und schalte alles ab was dich stören könnte.  Also kein Handy, kein Internet, kein Fernsehen und auch keine Gespräche. Einfach bloß du und dein Buch. Schreibe dir Zitate raus oder schlage Worte nach, beschäftige dich mit dem was du liest und tue das ganz bewusst. 

Slow Reading ist also in meinen Augen eine Form der Hektik im Alltag zu entgehen und sich bewusst mit etwas zu beschäftigen. Eine Art Stress abzubauen, seine Freizeit zu genießen und neue Erinnerungen zu schaffen.

Lesen ist allerdings nicht gleich Lesen. Im Zeitalter von Internet und Smartphones sind wir fast alle dazu verkommen, Texte nur noch zu scannen statt zu lesen. Wir suchen den Text mit den Augen nach Inhalten ab ohne dabei wirklich einfach nur zu lesen. Wir nehmen nur noch das nötigste auf und übersehen den Rest einfach.

Auch die Flut der Bücher die auf unseren Stapeln ungelesener Bücher landet trägt nicht zu Ruhe und Gelassenheit bei. Viel Auswahl verleitet leider auch schnell dazu etwas anderes zu wollen und wieder fängt man an, das Buch das man eigentlich genüßlich lesen wollte nur noch nach dem Ende abzuspanen. Weniger ist eben manchmal einfach mehr. 

Muss nun in einen Slow Reading Club eintreten? – Kann man, muss man aber nicht. Auch sich zu Hause einmal ganz bewusst damit zu beschäftigen reicht schon aus. 

Braucht man dazu etwas? – Nein, im Gegenteil. Einfach nur das Buch, kein Handy, kein Fernseher, kein gar nichts.  

Also was hält dich noch auf? Schalte alles aus, schnapp dir dein Buch und nimm dir Zeit. 

Veröffentlicht in 2017 | Getaggt mit

10 thoughts on “Slow Reading – oder warum weniger manchmal mehr ist

  1. Vielen Dank für deinen tollen Beitrag! Wenn ich lese, muss es meistens auch ganz ruhig um ich sein. Nur einen Text abscannen – das könnt ich nicht. Bin ja nicht mehr im Studium 🙂 Und das genieße ich sehr! Endlich mal wieder einen Text lesen, weil man will und es auch genießen kann. Das ist einfach toll.
    Deshalb lese ich am liebsten auch in der Badewanne, da gibt es keinen Fernseher, kein Internet, kein Handy. Und im Sommer am liebsten draußen im Park liegend.
    Durch das Lesen kann ich mich so richtig entspannen – und das ist für mich das Wichtigste 🙂

  2. Hallo Rena,
    zuerst – absolut tolles Beitragsbild 🙂 und dann – sehr schöner Beitrag.
    Für mich ist lesen Ausgleich pur zum Alltag mit Familie und Arbeit und das muss ich einfach genießen. Ich lese meistens Abends spät und das dann echt lange, ohne TV, Handy und Co.
    Ich lasse mich dann einfach fallen und das tut mir gut. Schließlich will ich ja was mitnehmen von den Geschichten. Auch ist fast jedes Buch gespickt mit kleinen Markern, die aus den Seiten rausschauen und besondere Sätze oder ZitatE markieren.
    Das Trara um ‚ich habe das und das und das gelesen‘ versuche ich zu vermeiden. Ich packe einfach keine 3 Bücher in der Woche.
    Wenn man die Zeit dazu hat ist es toll, mir fehlt sie meistens. Dafür ruft der Garten oder der Hund der seine Runden drehen möchte.
    Also, letztendlich soll jeder lesen so wie es ihm/ihr gefällt. Ich genieße es einfach.
    Liebe Grüße und eine schöne Lesezeit für Dich
    Kerstin
    #litnetzwerk

  3. Hallo liebe Rena,

    bisher habe ich von diesem „Konkurrenz-Kampf“ noch nichts mitbekommen.
    Trotzdem hast du mir einen wirklich interessanten Denkanstoß gegeben. Ich neige in letzter Zeit oft dazu immer mehr Bücher zu lesen und oft geht dann nach einiger Zeit auch Vieles wieder verloren. Die Methoden, sich mehr mit einem bestimmten Buch zu beschäftigen finde ich sehr schön.

    Ich habe bis zu diesem Jahr meine gelesenen Bücher nie gezählt. Ich finde es echt beeindruckend, dass mache Leute in einem Jahr 100-200 Bücher lesen. Ich glaube nicht, dass ich mal annähernd so viel gelesen habe 🙂

    Viele liebe Grüße
    Melli
    #litnetzwerk

  4. Danke für die schöne Anregung.

    Ich hätte aus dem Artikel gern noch mehr über die Slow-Reading Clubs erfahren, von denen ich auch noch nichts gehört habe.
    Dem Grundgedanken stimme ich zu. Lesen ist eine Aufgabe für sich, keine Nebenbeibeschäftigung.

  5. Hallo Rena,
    ein ganz toller Beitrag.
    Ich finde auch dass jeder sein eigenes Tempo haben sollte. Eigentlich lesen wir doch alle um ein wenig abzuschalten. Daher sollte sich das Buch auch gemütlich in unseren Alltag einfügen, bei jedem eben so wie es passt.
    Ich lese gerne auch auf dem Weg zur Arbeit im Bus oder in der Bahn. Das sind dann hektisch immer nur ein paar Seiten, aber jeder hat sein eigenes Wohlfühl-Bedürfnis beim Buch. Ich merke manchmal sogar wenn ich „zu viel Zeit“ zum lesen habe, dass es mich manchmal erdrückt.

    Ganz liebe Grüße
    Chrissi

  6. Slow Reading ist ganz nach meinem Geschmack und eigentlich praktiziere ich das meistens auch. Ich kann nicht verstehen, warum man sich hetzen lässt durch das Lesetempo anderer bspw. Ich vergleiche mich da nicht. Seitdem ich mit dem Bloggen begonnen habe, beschäftige ich mich auch noch intensiver mit einem Buch. Das Nachschlagen bestimmter Worte versteht sich von selbst. Zukünftig möchte ich mich zudem noch mehr mit geschichtlichen Aspekten auseinandersetzen, wenn sie in einem Buch Erwähnung finden. Man wird jedenfalls nicht dümmer. 😉

  7. Hallo,
    Interessantes es für alles einen Namen gibt mein beruflicher Alltag ist hektisch und voller Menschen und das lesen genieße ich darum um so mehr in Ruhe. Mich interessiert durchaus wer wie viel liest und auch wie schnell, wie viele Seiten in der Stunde zum Beispiel. Das hat nichts mit Konkurrenz zu tun, sondern reine Neugierde.
    LG Sonja

  8. Moin Rena,

    ist schon interessant, wie sehr das Internet, Handys und die Sozialen Netzwerke unser Lesen bestimmen. Früher gab´s das halt nicht und man hat sich in die Ecke gesetzt, ins Kissen oder die Decke gekuschelt und gelesen. Heute macht man halt ein Bild vom Buch vorm Lesen, zwischendurch und danach. Muss schnell noch den Zwischenbericht bei Twitter und Instagramm posten, Stellen für die Rezi markieren usw. Das macht das Lesen irgendwie mehr zur Arbeit.

    Meistens kann ich in Ruhe lesen, abends, wenn meine Kids schlafen. Die Zeit ist so kurz, dass ich, ob gewollt oder nicht, sowieso eine Art Slow Reading betreibe. 😉

    Mich interessiert auch, wer vie viel liest oder im Jahr gelesen hat, aber nicht mit dem Wettbewerbsgedanken sondern rein informativ.

    Wünsch dir viele gute Bücher mit viel und schöner Lesezeit!

    GlG vom monerl

  9. Liebe Monerl,

    danke für deinen Kommentar! Ja, manche Leser erstaunen mich echt! Ich finds schon anstrengend überhaupt mal ein Foto vom Buch zu machen 🙂 Aber mit dem Posten von Zwischenstadien wäre ich voll überfordert. Dafür ich mir meine Zeit zu kostbar. Die will ich dann lieber gleich zum Lesen nutzen 🙂
    Ich glaube, ich lese schon viel (so 1-2 Bücher pro Woche, je nachdem wie dick die sind), einfach weil ich gerne lese und mich unterhalten lasse bzw. mich informieren will. Häufig wechsle ich dann zwischen den Genren hin und her und les auch Sachbücher (weil die einfach interessant sind).
    Und wenn ich lese, ist es meist echt still in der Wohnung – denn mit Krach um mich herum – das kann ich (fast) nicht 🙂

    GLG und noch viel Lesefreude
    Anke

  10. Hallo Rena,

    diese „Slow Reading Clubs“ sind mir neu. Ich bin früher auch gern mal dazu geneigt, Bücher immer schneller lesen zu wollen, um mein Rekord vom Vorjahr einzuholen. Warum auch immer. Jedenfalls ist es seit meinem zweiten Jahr in der Ausbildung sehr sehr mager geworden mit Lesezeit. Dafür lese ich unglaublich gerne, nehme mir automatisch dann die Zeit und lese sehr viel auf einmal. Diese kleine Zwangspause durch Lernen hat mir gezeigt, wie sehr ich es vermisse zu lesen und wie wichtig es ist, das was man ließt auch zu genießen. Deshalb freue ich mich immer wieder sehr, wenn es Zeiten gibt, in denen ich mit statt Lernzettel mal ein Buch vornehmen kann.

    Liebe Hrüße
    Henrik

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