(Rezension) Daniel, mein jüdischer Bruder von Marianne J. Voelk

190947

Starr vor Schrecken sieht Daniel, wie seine Eltern in ein Auto gezerrt und abtransportiert werden. Zitternd kauert er eine Weile hinter dem Schornstein, da sich noch Gestapo im Garten aufhält. Dann rennt er, so schnell er in der Dunkelheit kann. zum Wäldchen. 

Als Daniels jüdische Eltern deportiert sind, besorgt ihm Rosalies Familie falsche Papiere und gibt ihn nach ihrem Umzug aufs Land als ihren leiblichen Sohn aus. Trotz Angst davor, bei der Hitlerjugend entdeckt zu werden, verleben Rosalie und Daniel eine frohe Kindheit. Doch die ist bedroht, als Daniel eines Tages zum Arzt muss und sein Geheimnis entdeckt wird…

Eine autobiographische Geschichte. 

 

Marianne J. Voelk: Daniel, mein jüdischer Bruder    

17,99 € / 304 Seiten / gebundenes Buch  

ISBN: 978-3-7655-0947-6 / Brunnen Verlag 

 

Meine Meinung: 

Rosalie und Daniel wachsen nebeneinander auf und sind fast wie Geschwister. Ihrer beider Eltern sind befreundet und verbringen viel Zeit miteinander. Und plötzlich dürfen sie sich nicht mehr sehen, nicht mal mehr kenne. Denn Daniels Familie ist jüdisch.

„Daniel, mein jüdischer Bruder“ hat mir wirklich gut gefallen. Es ist real, authentisch und echt. Selten habe ich ein Buch gelesen, dass mich gleichzeitig so gefesselt und mitgenommen hat. Vor dem Hintergrund, das es sich bei diesem Buch um die wahre Kindheit der Autorin Marianne J.Voelk handelt, tragen auch unscheinbare Ereignisse ihren ganz eigenen Grauen in sich. Für meinen Generation ist es oft unglaublich und kaum vorstellbar, wie es gewesen sein muss, diese Anfeindungen und Grausamkeiten jeden Tag ertragen zu müssen.

„Das ist alles, was ich habe. Es war für die Auswanderung meiner eigenen Familie angespart.“ (Daniel, mein jüdischer Bruder S.37)

„Der Abschied von unseren Freunden rückte immer näher. Endlich war für die Abreise der Familie Rosenholz alles geregelt. Die Ausreisebewilligung für jedes einzelne Familienmitglied, die Einreisegenehmigung in die USA sowie die amtlich bestätigte Bürgschaft der Verwandten lagen vor. (Daniel, mein jüdischer Bruder S. 129)

Fast ohne Wertung, dafür aber mit wirklich klug gewählten Worten erzählt die Autorin ihr eigene Lebensgeschichte und kurzen und strukturierten Kapiteln. Gerade wegen dieser einfachen Sprache würde ich dieses Buch auch Jugendlichen empfehlen, man sollte allerdings die Tragik nicht Vergessen die hinter der gesamten Situation steckt. Ich finde es wahnsinnig bewegend und ergreifend was Menschen in Ausnahmesituationen erreichen können wenn sie sich nur über die ihnen auferlegte Grenzen hinwegsetzen.  

Mein einziger Kritikpunkt ist das recht offene Ende. Zu viel Fragen sind offen geblieben die mir auch Rosalies, oder besser Mariannes, späterer Werdegang nicht ganz beantworten konnten. Wie und warum aus Rosalie Marianne wurde wird in einem schönen Kapitel direkt nach dem Umzug aufs Land erzählt. Lasst euch überraschen. 

5

Ich möchte mich an dieser Stelle noch einmal ausdrücklich beim „Brunnen Verlag“ für dieses Rezensionsexemplar bedanken.

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